Wissen, wo der Pfeffer wächst

Den eigenen Milchbauern zu kennen, ist kein Kunststück. Ich kenne jetzt sogar meinen Pfefferbauern – wenn auch nicht persönlich. Er heißt Ngoun Li und lebt in Kambodscha.

aneemann.de über den Pfefferanbau und Farmlink

Wer kennt schon seine Pfefferbauern? Ich, dank Farmlink und der Möglichkeit, über FindFarmer nachzusehen.

Vor ein paar Jahren war ich in einem Kochkurs. Als es darum ging, die Sauce zu machen, nahm unser Koch kügelchenweise rote Pfefferkörner aus einem Glas und zerrieb sie in einem Handmörser. „Da, riecht mal“, forderte er uns auf und reichte das Schälchen herum. „Das ist Kampot-Pfeffer.“ Überraschend fruchtige, gleichwohl erdige Schärfe waberte uns entgegen – genau der Grund, warum sich dieser Pfeffer zum Anrühren einer Sauce so gut eignete. Noch am selben Abend kaufte ich ein Gläschen dieses Kampot-Pfeffer. Den Handmörser auch. Billig war das nicht. Aber schon wenig später wollte ich keinen anderen Pfeffer mehr verwenden. Mehrfach kaufte ich Nachfüllpackungen und neben dem roten (immer noch der beste) auch schwarzen und weißen Kampot-Pfeffer. Schon der Kochlehrer hatte erklärt, wo der Pfeffer herkam: aus Kambodscha. Ein Land, in dessen Böden ich eher übriggebliebene Sprengfallen der Roten Khmer vermutet hätte als roten Pfeffer. Weiterlesen

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Multiple Fahrerpersönlichkeit?

Sieben Typen von Autofahrern gibt es nach einer Studie der London School of Economics, die der Reifenhersteller Goodyear gesponsert hat. (Bild: LSE / Goodyear)

Das hatten wir lange nicht mehr: eine Fahrertypologie, die uns mit einem kleinen Schuss Tiefenpsychologie erklärt, wie die Teilnehmer am Straßenverkehr so ticken. Goodyear sei dank, gibt es jetzt ein Raster von der London School of Economics (LSE), das sieben “Typen” hinter dem Steuer ausmacht. Ein bisschen dünn wirkt das Ganze schon, aber vorerst ist auch nur eine Pressemitteilung publiziert. Darin kommt mir allerdings manches bekannt vor: Früher war mal die Rede vom Cocooning hinter dem Steuer, die LSE nennt das jetzt “Escapee” (also jemand, der sich hinter dem Steuer in seine Gedanken- oder Unterhaltungsmedienwelt zurückzieht). Was früher “Pragmatiker” hieß, nennt sich hier “Avoider” (wenn man Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern vermeidet, weil man dadurch auch nicht schneller vorankommt). Auch bin ich mir nicht sicher, ob es da wirklich sieben unterschiedliche Typen gibt. Ich sehe nämlich nur nur einen graduellen Unterschied zwischen einem Besserwisser, der aus dem Fahrzeug heraus andere, seines Erachtens nicht ganz so fähige Autofahrer “herablassend anschreit”, und dem “Punisher”, der den Wagen kurzzeitig verlässt, um die Flitzpiepen im direkten Dialog zurechtzuweisen. Und das war nur eines von vielen Beispielen. Weiterlesen

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What’s the Story, Europe?

What's the Story, Europe?

Diskussionen um den Grexit und kein Ende. Dabei überlagert die Debatte eine Grundsatzfrage: Was ist Europa? Was will es sein?

Griechenland und kein Ende. Die Verhandlungen zum Grexit haben dem Publikum (also mir) zweierlei gezeigt. Erstens: Die Politiker der EU-Länder wissen selbst nicht so recht, was die Erfolgsgeschichte von Europa ist. Solidarität? Stabilität? Frieden? Konsens? Zweitens: Sie scheinen Europa als Einbahnstraße zu begreifen. Wer drin ist, ist drin. Allenfalls Beitrittskandidaten unterziehen sich bestimmten Regularien. EU-Mitglieder nicht mehr.

Beides halte ich langfristig für fatal. Die Friedenstradition nach 1945 wird als Europa-Story nicht mehr lange ausreichen. Erstens stimmt sie nicht ganz. Europa hat sich durchaus als unfähig erwiesen, einen Krieg und sogar einen Völkermord auf eigenem Boden wirksam zu unterbinden. Daran erinnert das aktuelle Jubiläum von Srebrenica. Zweitens werden kommende Generationen eine andere Europa-Story brauchen. Die Abwesenheit von Krieg gilt für sie als Selbstverständlichkeit. Weiterlesen

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„Dieser Betrieb wird bestreikt“, oder: Desinteresse im Newsroom

Alle berichten über den Ausstand – aber kaum jemand kümmert sich um brisante Details: Lokführer- und KiTa-Streik

Für den Journalismus in Deutschland, so kommt es mir vor, gibt es zwei heilige Kühe: den Karneval und Streiks. In beiden Fällen berichtet man brav den Sachverhalt runter, ohne auf die Relevanz zu achten oder mal Hintergründe zu recherchieren. Beim Karneval ist der Spuk ja in wenigen Tagen vorbei. Beim Streiken eher nicht, da geht es jetzt erst so richtig los.

Über die jüngste Bahnstreik-Serie beispielsweise berichteten alle Medien ebenso pflichtbewusst wie oberflächlich: Zeitpunkt und voraussichtliche Dauer der von der Mikro-Gewerkschaft GDL initiierten „Ausstände“ – auch dieses Synonym ein Traditionsbestand. Nicht fehlen durften die obligatorischen Leser-Services („Was tun, wenn mein Zug nicht fährt?“). Fehlen durften allerdings die Hintergründe zum Verständnis des Ganzen. Weiterlesen

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Kommunale Entwicklungshilfe

Unterstützt klamme Gemeinden, wo er nur kann: Herr Neemann

Bei uns in der Nähe gibt es eine Gemeinde, die ziemlich findige Methoden gefunden hat, ihre (vermutlich leeren) Kassen aufzubessern: Sie stellen einen Fotoapparat auf, der manchmal Aufnahmen von den Vorbeifahrenden macht, manchmal nicht. Man muss sich das vorstellen wie in irgendeiner Touristenattraktion, z.B. einer Geisterbahn, wo man vorher, zwischendurch und hinterher fotografiert wird und dann am Ausgang die Möglichkeit hat, die Bilder käuflich zu erwerben. Da die Gemeinde einen aber freundlicherweise beim Ortsausgang nicht weiter aufhalten will, schicken sie einem das Bild per Post. Und weil die damit vermutlich ziemlichen Aufwand haben, muss man das Bild dann natürlich auch kaufen. Es ist dem Schreiben gleich mit angeheftet und in einem ziemlich progressiven, grobkörnigen Stil gemacht. Trashig halt, aber gut. Gemessen an dem künstlerischen Wert sind die 25 Euro, die man dafür bezahlen muss, eigentlich ein Witz. Toll auch: Das Überweisungsformular hängt gleich mit dran. Ich muss sagen: Ich mag diese kleine, findige Gemeinde in unserer Nachbarschaft. Ich fahre immer wieder gerne durch – und bin dann total gespannt, ob es wieder ein neues Bild von mir gibt.

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Ab in die Cloud. Aber in welche?

Die Cloud - Daten in der Wolke.

Man spricht immer noch von “der” Cloud – Einzahl. Angesichts des vielfältigen Angebots müsste man längst den Plural benutzen.

Der Begriff “Cloud Computing“ hat den Übergang vom Marketing-Buzzword zum Alltagsphänomen gut geschafft. Und genau da liegt ein Problem. Man kriegt heute überall irgendwelche Cloud-Lösungen, die meisten sogar kostenlos. So wird die Menge der verfügbaren und mitunter auch sinnvollen Angebote fast schon wieder unübersichtlich. Orientierung tut not.

Fehlt nur noch, dass ich von meinem Stamm-Italiener 1 GB kostenlosen Speicherplatz angeboten bekomme, wenn ich künftig meinen Tisch online reserviere. Aber mal im Ernst, neulich hatte ich tatsächlich kurz die Orientierung verloren: Ich wusste, dass ich irgendwo ein angefangenes Dokument abgespeichert hatte, das ich zu Ende schreiben wollte. Und dann ging die Suche los: Dropbox? Fehlanzeige. Na dann sicherlich im Google Drive. Auch nix. Am Ende hatte ich das Dokument auf dem Mac mit Pages geschrieben und nicht nur lokal sondern in der iCloud gespeichert. Gut, nun könnte man einwenden, dass mich ja niemand zwingt, mich für verschiedenste Cloud-Angebote anzumelden. Touché – und auch wieder nicht: Denn für viele der Angebote hatte ich mich tatsächlich nicht angemeldet. Hier ein kleiner Überblick, bei dem ich auch versuche, auf Sinn und Nutzwert einzugehen. Grundsätzlich unterscheide ich mal zwischen drei verschiedenen Cloud-Lösungen und beurteile sie aus der Perspektive des Privat-Nutzers. Weiterlesen

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The Ice Bucket Challenge & me

Meine liebe Cousine hat mich dankenswerterweise in das neueste virale Ding einbezogen und mich für die “Ice Bucket Challenge” nominiert. Ich fühle mich geschmeichelt. Nach einigen Minuten Google-Recherche habe ich ein paar Sachen entschieden:

Das mit dem Eiswasser gefällt mir nicht. Wie es scheint, kann man sich nach dem ursprünglichen Plan allerdings durch eine Spende “freikaufen”. Also o.k.

Denn das mit dem Spenden gefällt mir. Eine Spende für die Erforschung von ALS wäre auch echt eine honorige Sache. Allerdings: So wie das mit der Ice Bucket Challenge gerade rockt, dürften die wenigen seriösen Organisationen, die hier in Frage kommen, gerade in einer Spendenflut ersaufen. Und da ich nun zufällig weiß, dass es noch andere böse Nervenkrankheiten gibt, die nicht minder tückisch für die Betroffenen und keinesweg zu Ende erforscht sind, geht meine Spende an die Deutsche Multiple-Sklerose-Gesellschaft (deren Auto-Responder sich auch schon prompt und brav bedankt hat, siehe Bild).

Das mit den Nominierungen gefällt mir wieder nicht. Das erinnert mich an die Kettenbriefe von früher, die mir immer ein schlechtes Gewissen gemacht haben für den Fall, dass ausgerechnet ich die lange Kette unterbreche. Und ich dann aus Trotz genau das gemacht habe. Nun würde mir meine Cousine niemals ein schlechtes Gewissen machen wollen … oder etwa doch? In dem Fall nominiere ich hiermit Dagobert Duck, den Grafen von Monte Christo und den Ex-Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl. Die lesen hoffentlich alle diesen Blog.

Ach so – und ein Video aufzuzeichnen gefällt mir natürlich auch nicht. Ich bin doch Texter.

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Warum mir Kohls Akten gestohlen bleiben können

Nichts ist faszinierender, als die Geschichte irgendwie am Rockzipfel zu fassen zu bekommen. Gerade auch für (Politik-)Journalisten. Über den Grund lässt sich nur spekulieren. Vermutlich stecken sie knietief im Morast der Alltagsbanalitäten irgendwo zwischen Bildungsnotstand und Mindestlohn. Gottlob gibt es Wichtigeres.

Kohl; Akten; Kanzlerschaft

Möchtegern-Lichtgestalt mit Aktenhunger: Ex-Kanzler Kohl

Zum Beispiel hat die Frage, was mit den Unterlagen des Ex-Bundeskanzlers Kohl passieren soll, eine ganz andere Gravität. Sonst würden nicht “Spiegel” und “Süddeutsche” (wohl nicht ganz unabhängig voneinander) darüber räsonnieren, wo diese Akten hingehören. Und ob es nicht wichtig wäre, sie für die Öffentlichkeit zugänglich aufzubewahren – also in einem staatlichen Archiv. Zur Not halt auch in der Konrad-Adenauer-Stiftung, also einem Partei-Archiv. Die Süddeutsche will den Kasus Kohl nutzen, um eine allgemeine Regelung für Politiker-Nachlässe zu finden, der Spiegel will sich vielleicht ein bisschen hämisch über die sehr offensichtliche Strategie von Maike Kohl-Richter („Witwe in Werdung“) lustig machen. Weiterlesen

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Die Krise als Chance – zum Kassemachen?

ADAC Motorwelt

Macht weiter (Anzeigenkohle) wie bisher: Im Konzept der ADAC Motorwelt hat sich nicht sehr viel geändert. Und das beim erwiesenen Desinteresse der Leser …

Vor ein paar Tagen lag doch tatsächlich die ADAC Motorwelt wieder in unserem Briefkasten. Ich war überrascht. Ich hatte damit gerechnet, dass das Blattl entweder mit seinem Chefredakteur von der Bildfläche verschwindet, mindestens aber demütig unter unserem Türschlitz durchgeschoben wird.

Nein. Statt dessen hochoffiziell und pünktlich im Briefkasten. Und noch dazu mit einem frechen selbstreferenziellen Titel: „Die Krise als Chance“.

Als Chance wozu? Das habe ich mich gefragt. Und die Antwort leider nicht gefunden. Weiterlesen

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Die Inka-Show

Teuer, aber sehenswert: Für 12 Euro lässt sich die etwas eng gestellte Inka-Ausstellung im Stuttgarter Linden-Museum genießen.

Sehr schöne Ausstellung haben wir besucht im Stuttgarter Linden-Museum. Und für alle, die sich fragen, warum da der ganze kulturelle Krismkrams so im Vordergrund steht, habe ich ein nettes Zitat von Georg Simmel aus meiner Studi-Zeit gefunden. (Simmel übrigens nicht verwandt oder verschwägert mit Johannes Mario, sondern ein alter Soziologie-Gottvater aus der Kaiserzeit, der trotzdem nur Insidern bekannt ist):

“Nicht ein geographischer Umfang von so und so vielen Quadratmeilen bildet ein großes Reich, sondern das tun die psychologischen Kräfte, die die Bewohner eines solchen Gebietes von einem herrschenden Mittelpunkt her zusammenhalten.”

Klappte im Fall der Inka zumindest so lange, bis die Europäer mit ihren Seuchen und Schießgewehren kamen.

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