Die Inka-Show

Teuer, aber sehenswert: Für 12 Euro lässt sich die etwas eng gestellte Inka-Ausstellung im Stuttgarter Linden-Museum genießen.

Sehr schöne Ausstellung haben wir besucht im Stuttgarter Linden-Museum. Und für alle, die sich fragen, warum da der ganze kulturelle Krismkrams so im Vordergrund steht, habe ich ein nettes Zitat von Georg Simmel aus meiner Studi-Zeit gefunden. (Simmel übrigens nicht verwandt oder verschwägert mit Johannes Mario, sondern ein alter Soziologie-Gottvater aus der Kaiserzeit, der trotzdem nur Insidern bekannt ist):

“Nicht ein geographischer Umfang von so und so vielen Quadratmeilen bildet ein großes Reich, sondern das tun die psychologischen Kräfte, die die Bewohner eines solchen Gebietes von einem herrschenden Mittelpunkt her zusammenhalten.”

Klappte im Fall der Inka zumindest so lange, bis die Europäer mit ihren Seuchen und Schießgewehren kamen.

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Psst: Geheim …

Hat noch jemand die Doku-Serie über Geheimbünde und Verschwörungstheorien im ZDF gesehen? Was für ein wilder Hokuspokus! Normalerweise bin ich ja immer entzückt, wenn es den öffentlich-rechtlichen Sendern einfällt, ihre Fantastilliarden von GEZ-Gebühren und Steuergeldern auch mal in informative Formate zu stecken, statt uns mit immer neuen Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen zu beglücken. Aber was sie hier angestellt haben, das schoss für mich schon den Vogel ab.

So geheim, dass auch manch wichtige Info ungesagt blieb: Historische Formate im ZDF.

Im ersten Teil wurden einige altbekannte “Verschwörungstheorien” (Prieuré de Sion, Weisen von Zion, Nine Eleven, Mondlandung) aufgearbeitet, die der geübte Internet-User in einer Viertelstunde zusammenrecherchiert und “aufgeklärt” hätte. Das war einfallslos, aber o.k. Im zweiten Teil ging es dann um die berühmten „Geheimbünde“. Hier gab es dann auch nachgespielte Szenen (klar: Original-Footage von Geheimbünden ist wohl eher rar). Unter anderem ein Initiations-Ritual der Skull-and-Bones-Verbindung in Yale. Hat mich ein wenig an die Klassenkeile erinnert, die ich vor ein paar Jahrzehnten mal bekommen habe. Vielleicht bin ich ja auch Teil eines Geheimbundes, ohne es zu wissen? Das wäre mal wirklich geheim. Beleg für die schier unglaubliche Macht von Skull and Bones: Sowohl George W. Bush wie auch John Kerry waren Mitglieder. Und beide reagierten sehr reserviert, als sie in TV-Interviews auf diese Mitgliedschaft angesprochen wurden. Hallo? Wäre Skull and Bones wirklich geheim, wüsste man nicht, dass die beiden Mitglieder sind. Weiterlesen

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Von Pixar lernen, heißt erzählen lernen

Da kommt die Kommunikationsbranche nur schwer mit: Die Tricks der Pixar-Drehbuchschreiber.

Für alle, die sich interessieren, was das Wort “Storytelling” ursprünglich mal bedeutet hat, im Sinne von: den Leser faszinieren und fesseln, ihn an den Haken nehmen, Spannung aufbauen und über längere Strecken halten etc. etc. sei dieser Link empfohlen. Die 24 Slideshare-Charts zeigen, wo das Prinzip herkommt: Von den Drehbuchschreibern – und damit in letzter Konsequenz aus dem Fundus der Erzähltechnik der Literaturwissenschaft. Denn was die von Pixar gut gefüllten Kinosäle heute sind, waren ganz früher die Lagerfeuer der Jäger und Sammler oder die in flackerndem Kerzenschein zusammenkommende, vom Tagwerk erschöpfte ländliche Familie oder die in der Bar sitzenden Arbeiter. Und was dort gefragt war, ist mit einem Wort umschrieben: Unterhaltung, und zwar so intensiv, das sie vom (drückenden) Alltag ablenkt.

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Urlaubsziel: Zuhause

Urlaub mal zuhause machen - vor allem, wenn das Wetter mitspieltAm Ende bin ich froh, dass wir allen Anwandlungen mit den Vorsilben “last-minute” widerstanden haben und zwei Wochen (übrigens bei allerschönstem Wetter) einfach zuhause verbracht haben.

Jedoch: Eine weitere Woche wäre der intensiven Erholung durchaus auch noch zuträglich gewesen – allerdings bin ich mir sicher, dass wir nicht den Nerv gehabt hätten, einfach drei Wochen “z’haus” zu bleiben. Da hätte der Planungsgeist viel umfassender zugeschlagen.

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“Ich dachte, ich spüre was”

Handschalter einer Fußgänger-Ampel

Keine Kinderattraktion: Handschalter einer Fußgänger-Ampel

Neulich an einer Ampel mitten in der Stadt: Mehrere Menschen warten mit mir auf das Fußgänger-Grün. Auf der anderen Seite ebenso, dort steht auch eine Schar von vier oder fünf Kindern, die sich traubenartig um den Handschalter angeordnet haben. Ihre Hände und teilweise Ohren klebten förmlich an diesem Teil, während sie mit großen Augen voller Spannung auf die Ampel schauten. Enttäuschung dann, als diese auf Grün sprang – offensichtlich völlig ohne Vibrations- oder zumindest einen akustischen Alarm. Eines der Kinder meinte zwar was gehört zu haben (“Es hat ganz leise gepfiffen”), während ein etwa achtjähriger Junge seiner Enttäuschung freien Lauf ließ mit dem Satz: “Ich dachte, ich spüre was.”

Ein schöner Satz, fand ich, der zu so vielen Aspekten unserer hyperdiversifizierten, oft nur noch medial vermittelten und in ihrer Selbstreflexion meist ironisch gebrochenen post-post- oder meta-modernen Gesellschaft passt. Oder anders: eine weise und ehrliche Erkenntnis, die sich eigentlich gar nicht nach Kindermund anhörte.

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My own personal Infografik, yeah!

Mark Zuckerberg und seinem tollen Unternehmen sei Dank gibt es jetzt eine Infografik, die auf schnelle und intuitive Weise die ersten 44 Jahre meines Lebens darstellt. Ich war anfangs total begeistert und habe mich gefreut wie Bolle. Bei mehrfachem und genauerem Hinsehen bin ich aber zu dem Schluss gekommen, dass doch einige wichtige biographische Stationen ausgeblendet bleiben (z.B. mein erster Mac, erster illegaler Film-Download übers Internet, herzhaftes Lachen über total überschätzte und gehypte Web-Präsenzen wie SecondLife oder MySpace etc). Ich werde die Grafik daher nicht ausgiebig verwenden. Solange ich keine überarbeitete Fassung habe, sei diese hier mal zur Info angehängt.

Geburt bis FB

Infografik über die ersten 44 Jahre im Leben des AN – aus Sicht des Unternehmens Facebook.

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Die katholische Kirche erneuert sich – und niemand merkt’s

Aha: "Diverse Fehler behoben"

Aha: “Diverse Fehler behoben”

Während sich die Weltöffentlichkeit auf den einmaligen Vorgang des Papst-Rücktrittes konzentriert – nicht ohne im gleichen Atemzug weitere Reformen der katholischen Kirche einzufordern – habe ich ein Indiz dafür gefunden, dass diese Erneuerung längst läuft: Die Heilige Schrift wurde upgedatet! Und das schon am 22. Februar, ein mit Blick in die Kirchenhistorie symbolträchtiges Datum, wurde doch an diesem Tag des Jahres 1300 immerhin das “Heilige Jahr” erfunden. Nun wurden also via App Store (wenn nicht das allein schon ein fulminanter Beleg für die Modernität der Kirche ist!), “diverse Fehler” an der Bibel “behoben”. Zugegeben, die Formulierung ist nach wie vor etwas dünnlippig und könnte ruhig etwas umfänglicher ausfallen.

Andererseits wäre dann wohl nicht mir (wenn ich die Blogosphäre korrekt überblicke) die Entdeckung dieses unerhörten Vorgangs überlassen geblieben, noch dazu mit mehr als einer Woche Verspätung.

Die Sensation wäre erst richtig perfekt, wenn wir wissen, welche “Fehler” genau behoben wurden.Beschränkt es sich auf offensichtliche Übersetzungsfehler wie das Kamel (statt eines Seils), das durch ein Nadelör geht? Oder geht es richtig ans Eingemachte und wir werden über konkrete Details einer jungfräulichen Empfängnis aufgeklärt? Man kann gespannt sein. Ich bedaure schon jetzt, dass die Macher des Updates nicht im “Track-Changes”-Modus gearbeitet haben.

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Der Apfel auf dem Prüfstand

Der Apfel auf dem Prüfstand - und auf dem SofaGestern kam mal was Interessantes in der Glotze: Ein Markencheck zu Apple. Vom WDR. Apple und WDR: auf den ersten Blick keine faire Kombination. Ungefähr so, als würde man Cindy aus Marzahn als Nachfolgerin von Michelle Hunziker ins Spiel bringen oder als wäre Desirée Nosbusch plötzlich mit Dieter Zetsche zusammen.

Mit den Erkenntnissen der gestrigen Sendung konnte man allerdings leben: Die Apple-Produkte sind erstens Kult, zweitens einigermaßen einfach und intuitiv zu bedienen, drittens ziemlich überteuert, vor allem aber viertens werden sie unter Bedingungen hergestellt, die ans Unmenschliche grenzen. Das war für mich der stärkste Teil des Abends: die Aufnahmen mit versteckter Kamera aus den Wohnheimen der chinesischen Apple-Fabriken (“Zulieferer” ist ja das falsche Wort, denn die machen die Produkte dort komplett fertig, die liefern nicht etwas zu). Es ist schon was anderes, das grundsätzlich mal gelesen zu haben, dann aber die Menschen tatsächlich zu sehen, wie sie fast noch vor dem Fabriktor nach einer 12-Stunden-Schicht ihren kargen Lohn in Mahlzeiten investieren.  Weiterlesen

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Jetzt aber!

Für die Idee, Anfang des Jahres 2013 einen Blog mit WordPress zu eröffnen, werde ich wohl den Begriff “First Mover” definitiv nicht mehr bekommen, selbst mit dem Titel “Early Adopter” sieht es mau aus. Und die im Augenblick sichtbare Vielfalt auf diesen Seiten verspricht nicht gerade das sprichwörtliche Feuerwerk der guten Laune.

Aber …

Erstens wird das ja alles noch ganz anders, voller Bilder, interessanter Links, übersprudelnder Ideen, und sicher kann ich mir den einen oder anderen bissigen Kommentar zur Welt der Medien und Kommunikation nicht verkneifen (hoffentlich wird’s nicht so schlimm, dass ich über die Google-Einstellungen nochmal nachdenken muss).

Zweitens war ja schon immer aller Anfang schwer.

Und drittens kommt jetzt die Tagesschau mit Wetterkarte. Da muss ich hin. Tschüss Internet!

 

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