Multiple Fahrerpersönlichkeit?

Sieben Typen von Autofahrern gibt es nach einer Studie der London School of Economics, die der Reifenhersteller Goodyear gesponsert hat. (Bild: LSE / Goodyear)

Das hatten wir lange nicht mehr: eine Fahrertypologie, die uns mit einem kleinen Schuss Tiefenpsychologie erklärt, wie die Teilnehmer am Straßenverkehr so ticken. Goodyear sei dank, gibt es jetzt ein Raster von der London School of Economics (LSE), das sieben “Typen” hinter dem Steuer ausmacht. Ein bisschen dünn wirkt das Ganze schon, aber vorerst ist auch nur eine Pressemitteilung publiziert. Darin kommt mir allerdings manches bekannt vor: Früher war mal die Rede vom Cocooning hinter dem Steuer, die LSE nennt das jetzt “Escapee” (also jemand, der sich hinter dem Steuer in seine Gedanken- oder Unterhaltungsmedienwelt zurückzieht). Was früher “Pragmatiker” hieß, nennt sich hier “Avoider” (wenn man Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern vermeidet, weil man dadurch auch nicht schneller vorankommt). Auch bin ich mir nicht sicher, ob es da wirklich sieben unterschiedliche Typen gibt. Ich sehe nämlich nur nur einen graduellen Unterschied zwischen einem Besserwisser, der aus dem Fahrzeug heraus andere, seines Erachtens nicht ganz so fähige Autofahrer “herablassend anschreit”, und dem “Punisher”, der den Wagen kurzzeitig verlässt, um die Flitzpiepen im direkten Dialog zurechtzuweisen. Und das war nur eines von vielen Beispielen.

Bleiben trotzdem zwei wichtige Fragen. Erstens: Was fehlt? Natürlich, siehe oben, die Kategorie der Flitzpiepen, desorientierten Egomanen (“Ihr fahrt hier erst weiter, wenn ich selber weiß, wo ich hin will”) und generell Überforderten. Zweitens: Wo sortiere ich mich selbst ein? Ich persönlich kann mich am ehesten mit dem ersten Halbsatz des “Besserwissers” identifizieren: “The Know-it-all thinks he is surrounded by incompetent fools …” Wobei ich an guten Tagen auch zum “Philosopher” neige (“accepts misbehavior easily and tries to rationally explain it”), und auch den Weg zum “Escapee” gehe ich regelmäßig (“listens to music or talks on the phone to insulate himself”). Mit einem Wort: Nach der Goodyear-Studie bin ich also eine multiple Fahrerpersönlichkeit. Aber sonst geht’s uns gut.

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Im Hauptberuf Kommunikationsprofi mit einer Schwäche für elektronische Musik (Hören und Machen).
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