Der Apfel auf dem Prüfstand

Der Apfel auf dem Prüfstand - und auf dem SofaGestern kam mal was Interessantes in der Glotze: Ein Markencheck zu Apple. Vom WDR. Apple und WDR: auf den ersten Blick keine faire Kombination. Ungefähr so, als würde man Cindy aus Marzahn als Nachfolgerin von Michelle Hunziker ins Spiel bringen oder als wäre Desirée Nosbusch plötzlich mit Dieter Zetsche zusammen.

Mit den Erkenntnissen der gestrigen Sendung konnte man allerdings leben: Die Apple-Produkte sind erstens Kult, zweitens einigermaßen einfach und intuitiv zu bedienen, drittens ziemlich überteuert, vor allem aber viertens werden sie unter Bedingungen hergestellt, die ans Unmenschliche grenzen. Das war für mich der stärkste Teil des Abends: die Aufnahmen mit versteckter Kamera aus den Wohnheimen der chinesischen Apple-Fabriken (“Zulieferer” ist ja das falsche Wort, denn die machen die Produkte dort komplett fertig, die liefern nicht etwas zu). Es ist schon was anderes, das grundsätzlich mal gelesen zu haben, dann aber die Menschen tatsächlich zu sehen, wie sie fast noch vor dem Fabriktor nach einer 12-Stunden-Schicht ihren kargen Lohn in Mahlzeiten investieren. 

Schlucken musste ich ebenfalls bei der Frage: “Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie süchtig sind Sie nach Apple-Produkten?” Der Befragte im TV antwortete mit “8″, das wäre mindestens auch meine Wahl gewesen – Tendenz zu 9.

Dabei ist das bei mir inzwischen eine Art Hassliebe. Wie ich hier mal ausgeführt habe (und das ist schon fünf Jahre her, da hatte ich noch kein iPhone und das iPad war noch gar nicht erfunden), haben die Apple-Produkte zum Zwecke der besseren Vermarktbarkeit einen ihrer Hauptvorzüge aufgegeben: die bedingungslose Benutzerfreundlichkeit. Als Apple-Benutzer wird man inzwischen ständig vom System bevormundet, so wie das früher nur in der Windows-Welt ging. Und hinter vielen dieser Bevormundungen steckt der sanfte Druck, ein weiteres (neueres) Gerät anzuschaffen. So ging das auch dem Opa beim Markencheck, der nur deshalb im Apple-Store den entscheidenden Tipp nicht gekriegt hat, weil er seinen iPod und sein iPad mittels eines Windows-Rechners synchronisieren wollte.

Ich fühlte mich selbst natürlich unterrepräsentiert: Kein Apple-Fan der ersten Stunde zu sehen. Einer, der noch weiß, dass die “Maccies” damals die Guten waren, wogegen eine Meute gleichgeschalteter IBM- und später Windows-Nerds auf ihr Recht auf Komplexität vor dem PC pochten. Als die grauen Rechner in Irland (man darf annehmen: unter einigermaßen menschenfreundlichen Bedingungen) zusammengeschraubt wurden. Als man fast Wetten darauf abschließen konnte, ob Sun Microsystems (“who the fuck …”) oder der Kopist aus Redmond die Marke mit dem angebissenen Apfel und dem notorischen niedrigen Aktienkurs übernehmen würden.

Tja, wie sich die Zeiten ändern. Das passiert nun, wenn sich ein Underdog zu Tode siegt. Und was bleibt? Von Bill Gates gibt es seine Stiftung, die – sieht man von sinnlosen Besuchen bei der SPD-Zentrale ab – mit einem großen Teil der einstigen Microsoft-Gewinne noch gute Projekte macht, wenn die Marke längst verschwunden sein wird. Hat Steve Jobs möglicherweise doch an entscheidender Stelle gepennt?

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Im Hauptberuf Kommunikationsprofi mit einer Schwäche für elektronische Musik (Hören und Machen).
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